Bronze, H. 58,8 cm, B. 10 cm, T. 16,7 cm
Spätzeit, 30. Dynastie , 380–343 v. Chr
Inv. BSAe 0994
Provenienz
Schenkung 1999 Hoffmann-La Roche AG, Basel. Erworben bei H.A.C. Kunst der Antike, Basel. Davor mit Jean-Loup Despras (1926-2001), Galerie Orient-Occident, Paris.
Beschreibung
Die löwenköpfige Göttin sitzt auf einem Thron mit niedriger Rückenlehne und ist in ein enganliegendes Trägerkleid gehüllt, das oberhalb der Fussknöchel endet und die Arme frei lässt. Ihre rechte Hand hat sie zur Faust geballt auf den Oberschenkel gelegt. In ihrer Linken hielt sie ein heute verlorenes Szepter. Ihre Füsse ruhen auf einer rechteckigen Plinthe.
Den Übergang vom Tierkopf zum Menschenkörper verdeckt eine dreiteilige Strähnenperücke. Über ihr liegt die prachtvolle Löwenmähne, die den Kopf kreisförmig umgibt, und in die flammenförmig auslaufende Haarstränge eingraviert sind. Keck stehen die Löwenohren ab. Die Krone bildet ein Uräendiadem mit einem vorne steil aufragenden Uräus. Die Augen sind mit Gold und Lapislazuli eingelegt, wobei es sich bei den heute vorhanden Einlagen möglicherweise um neuzeitliche Ergänzungen handelt.
Bei der hier dargestellten, löwenköpfigen Göttin handelt es sich wohl um Wadjet, die Grüne. Wadjet, mit griechischem Namen Uto, war ursprünglich die schlangengestaltige Kronen- und Landesgöttin Unterägyptens und zusammen mit der geiergestaltigen Nechbet von Oberägypten eine Schutzmacht des Königs. Diese letztere Funktion war es wohl, die sie mit Isis und dem Horuskind verband. Die überwiegende Mehrzahl der spätzeitlichen Bronzestatuetten der löwenköpfigen Wadjet spielen nämlich auf ihre Funktion als Amme des Horuskindes in Chemmis an. Diese Verbindung wurde dadurch gefördert, weil das Papyrusdickicht von Chemmis als mythischer Geburtsort des Horuskindes galt und in unmittelbarer Nachbarschaft zur alten Stadt Buto lag. Wadjet galt zudem seit frühester Zeit als Beschützerin des Königs. Die mit den unbändigen Kräften des Löwen versehene Wadjet war deshalb dazu prädestiniert, den noch hilflosen Horus vor sämtlichen Gefahren und den Nachstellungen des Seth zu schützen.
Löwe und Katze spielten in Religion und Kunst der Spätzeit eine herausragende Rolle. Fast alle weiblichen Gottheiten konnten Löwengestalt annehmen bzw. mit einem Löwenkopf erscheinen. In die Ikonographie sämtlicher Löwengöttinnen wurde dabei auch die Löwenmähne integriert, die eigentlich zum männlichen Tier gehört. Zu den bekannten löwengestaltigen Göttinnen zählen neben Wadjet Sachmet, Tefnut, Pachet, Mut und Bastet. Die Löwengestalt bringt ihre gefährlichen, unberechenbaren Eigenschaften zum Ausdruck, die es im Kult zu besänftigen gilt.
Bibliographie
A. Wiese, Ägypten. Augenblicke der Ewigkeit. Unbekannte Schätze aus Schweizer Privatbesitz (Mainz 1997) 269–271, Nr. 181.
A. Wiese, Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig. Die Ägyptische Abteilung (Mainz 2001) 169, Nr. 120.
J. Vandier, Ouadjet et l'Horus léontocéphale de Bouto, MontPiot 55, 1967, 7–75.
E. Brunner-Traut, Spitzmaus und Ichneumon als Tiere des Sonnengottes, NAWG 1965 (7), 123–163.