Kartonage, polychrom bemalt, H. 50,2 cm
Mittleres Reich, 11. Dynastie, gegen 2000 v. Chr.
Inv. BSAe 1239
Provenienz
Schenkung 2014 Sonja und Hans Humbel, Zürich. Erworben Sotheby's New York 1997. Ehemals US-Amerikanische Privatsammlung der 1930er Jahre.
Beschreibung
Die Herstellung von bemalten Kartonagemasken, wie man sie in grosser Zahl aus der griechisch-römischen Zeit Ägyptens kennt, beginnt bereits im Mittleren Reich. Kartonagen entstehen aus mehreren Schichten zusammengeleimter Leinen- und Papyruslagen. Wenn sie feucht sind, eignen sie sich besonders gut zum Modellieren von Masken und Särgen. Die Oberfläche wird nach dem Trocknen mit Stuck überzogen, der einen gleichmässigen Grund ergibt, den man bemalen kann. Bei der hier gezeigten Mumienmaske einer Frau handelt es sich um ein sehr frühes Beispiel aus der 11. Dynastie. Augen und Augenbrauen sind in schwarzer und hellblauer Farbe auf das gelb gefasste Gesicht aufgemalt. In den Augenwinkeln finden sich jeweils zwei rote Punkte, die in stilisierter Weise die Tränendrüsen andeuten. Um den Hals trägt die Frau einen breiten Halskragen, bestehend aus mehreren Reihen mit abwechselnd roten und blauen Röhrenperlen. Eigenwillig ist die schwarze, dreiteilige Perücke mit den kurzen Vorderschöpfen und dem grünen Stirnband. Auffallend ist die völlig singuläre Gestaltung ihrer Brust. Die Brustwarzen sind markant in schwarzer Farbe aufgetragen. Diese ungewöhnliche Wiedergabe mag nicht verwundern, denn die Kunst der Ersten Zwischenzeit zeichnet sich durch unkonventionelle und individuelle Darstellungsweisen aus. Verwandte Masken sowohl von Männern als auch von Frauen stammen aus den Nekropolen von Assiut und Beni Hasan. Wie intakte Grabfunde zeigen, wird der Kopf des mumifizierten und einbandagierten Körpers mit einer solchen Maske überzogen und der Leichnam zusammen mit verschiedenen Grabbeigaben wie Stöcken, Gefässen und Amuletten in einen hölzernen, bemalten Kastensarg gelegt.
Bibliographie
Sotheby’s, Antiquities and Islamic Art, Wednesday December 17, New York 1997, Lot 76; A. Wiese, Ägyptische Kunst im Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig, Neue Leihgaben und Erwerbungen in provisorischer Aufstellung (Basel 1998) Nr. 30.; A. Wiese, Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig. Die Ägyptische Abteilung (Mainz 2001) 75 Nr. 41; Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig, Katalog 101 Meisterwerke (2022) 42f. Nr. 9
Parallele: É. Chassinat – C. Palanque, Une campagne de fouilles dans la nécropole d'Assiout (Le Caire 1911) Taf. III. XXI. XXVIf.
Nudo!. Tesori del Museo del Antichità di Basilea (Cecina 2019) 28, Nr. 2.