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©Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig
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Etruskische Amphora mit Chimären

Inventarnummer
Zü 399
Kulturraum
Etrurien

Epoche
Spätarchaisch
Grunddaten
Ton, H. 32,4 cm Cerveteri, 3. Viertel des 6. Jh. v. Chr. Inv. Zü 399
Provenienz
Schenkung 1962 Johann Züst, Rancate. Ehemals Sammlung Johann Züst (1887–1976), Rancate.
Beschreibung
In der griechischen Mythologie ist die Chimära ein schreckliches Mischwesen, das vom Helden Bellerophon getötet wird. Der Mythos findet auch in der etruskischen Kunst Nachhall und erlaubt uns, wichtige kulturelle, wirtschaftliche und künstlerische Phänomene näher zu erfassen. «Vorn ein Löwe und hinten Schlange und Ziege inmitten, hauchte sie aus die schreckliche Glut des lodernden Feuers»: Bereits in der Ilias beschreibt Homer die furchterregende Gestalt der Chimära. In der griechischen Kunst ist sie meist in dem für sie fatalen Kampf gegen Bellerophon dargestellt. Durch göttlichen Beistand und dank des geflügelten Pferds Pegasos kann der korinthische Held dieses Monster töten, das in der Region Lykien wütet. Nach Mittelitalien gelangen die ersten Chimära-Darstellungen mit den regen Handelsbeziehungen der hier ansässigen Etrusker mit den Griechen. Lokale Vasenmaler haben sie schliesslich auch auf den eigenen Erzeugnissen dargestellt. Unsere Amphora ist nach der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. in Südetrurien, vermutlich in Cerveteri, entstanden. Für die internationale Wirtschaft und Politik ist dies eine besonders spannende Zeit. Nachdem die Stadt Korinth für Jahrzehnte mit ihren Tonwaren den Markt beherrscht hat, wird sie nun allmählich von ihrer Konkurrentin Athen abgelöst. Zugleich zwingt die persische Eroberung der griechischen Städte an der Westküste der Türkei viele Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen und nach Westen zu flüchten. In unserem Gefäss vereinen sich alle diese Ereignisse der Weltpolitik: Der lokale Maler hat hiermit Produkte vom nun marktführenden Athen imitiert, sein Stil verrät aber auch ostgriechische Elemente, die wohl auf eingewanderte Handwerker zurückgehen. Auch die Chimära selbst beweist diesen Kulturtransfer: Sie entspricht formell dem griechischen Vorbild, ist aber in einem friedlichen, beinahe familiären Kontext abgebildet. Sie ist auf beiden Gefässseiten zu sehen: einmal männlich, einmal weiblich. Die weibliche Chimära säugt einen kleinen Löwen, wohl ein Chimära-Junges, dessen weitere Merkmale (Ziegenoberkörper am Rücken und Schlangenschwanz) noch nicht ausgebildet sind. Sind es dieselben Chimären, die im Bellerophon-Mythos auftauchen? Oder haben wir es hier mit einer etruskischen Version dieses Mischwesens zu tun?
Bibliographie
K. Schefold, Führer durch das Antikenmuseum Basel (Basel 1966) 118 Nr. 172,6; F. Brommer, Vasenlisten zur griechischen Heldensage 3(Marburg 1973) 301 Nr. 21; J. M. Hemelrijk, Caeretan Hydriae (Mainz 1984) 190 Anm. 996. 234 Anm. 800; K. Schauenburg, Baltimoremaler und Bellerophon, Jahrbuch des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg 3, 1984, 27 Abb. 21; LIMC III (1986) 263 Nr. 38 Taf. 213, 38; M. Zilverberg The La Tolfa Painter. Fat of Thin?, in: A. G. Brijder u. a. (Hrsg.), Enthousiasmos. Essays on Greek and Related Pottery presented to J. M. Hemelrjik (Amsterdam 1986) 59 Nr. 18: F. Gaultier, Dal Gruppo della Tolfa alla Tomba dei Tori: tra ceramica e pittura parietale, in: M. Bonghi Jovino - C. Chiaramonet Treré (Hrsg.), Tarquinia. Richerche, scavi e prospettive (Roma 1987) 212f. 215. 217 Kat.-Nr. 7. Taf. 61-62; C. Reusser, Etruskische Kunst (Basel 1988) 50f. E 67; P. Blome, Kat. Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig (Zürich 1999) 15f. Abb. 6; M. Iozzo (Hrsg.), La Chimera di Arezzo, Ausstellungskatalog Malibu, The J. Paul Getty Museum 16. Juli 2009 - 8. Februar 2010 (Florenz 2009) 17f. Abb. 12. 49f. Nr. 11; M. Iozzo (Hrsg.), The Chimaera of Arezzo, Ausstellungskatalog Malibu, The J. Paul Getty Museum 16. Juli 2009 - 8. Februar 2010 (Florenz 2009) 17 f. Abb. 12; R. Paris u. a. (Hrsg.), Mostri. Creature fantastiche della paura e del mito. Ausstellungskat. Rom (Milano 2013) 156f.; L. Cherubini - M. Bettini, Antichi mostri... eterne paure, Archeologia Viva 165, Mai/Juni 2014, 33; C. Colombi, in: M. Agliati Ruggia (Hrsg.), Arte. Antichità. Argenti. Le collezioni di Giovanni Züst nei musei di Rancate, Basilea e San Gallo (2016) 158f. 219 Nr. II.12; C. Reusser, Le antichità etrusche nei musei pubblici della Svizzera, in: G. M. Della Fina (Hrsg.), Musei d'Etruria. Atti del XXVI Convegno Internazionale di Studi sulla Storia e l'Archeologia dell'Etruria (2019) 85 Anm. 66; R. Hurschmann, Verzeichnis der im LIMC zitierten Vasen (2020) 66; Tierisch! Tiere und Mischwesen in der Antike. Ausst.-Kat. Basel (2021) 73; L. Gorgerat, tierisch! Tiere und Mischwesen in der Antike, in : A. Schmid – A. Bignasca – M. Zehntner – P. Wanner (Hrsg.), tierisch! (Berlin 2021) 88; L. Gorgerat, animalistic! Animals and Hybrid Creatures in Antiquity, in: A. Schmid – A. Bignasca – M. Zehntner – P. Wanner (Hrsg.), animalistic! (Berlin 2021) 88; M. Chartier-Raymond, Animaux et créatures hybrides de l'antiquité, Achéologia 606, Februar 2022, 25; Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig, Katalog 101 Meisterwerke (2022) 188f. Nr. 75 (E. Dozio); Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig, Jahresbericht 2023 (2024) 49; L. Gorgerat, De la bête sauvage au mythe. Créatures fantastiques de l’Antiquité classique, in : Musée d’art et d’histoire de Fribourg (Hrsg.), Corpus. Le corps hybride/Der hybride Körper (Fribourg 2024) 19 Abb. 1;
Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig
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