• Home
  • Sammlung
  • Antikenmuseum Basel
ENDE
No image
©Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig
No image
©Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig
No image
No image

Zyprisches Brettidol

Inventarnummer
BS 807
Kulturraum
Zypern

Epoche
Frühbronzezeit (Orient)
Grunddaten
Ton, H. 26.2 cm Zypern, spätes 3. Jt. v. Chr. Inv. BS 807
Provenienz
Schenkung 2020 Betty und Hartmut Raguse-Stauffer, Basel. Sammlung Betty und Hartmut Raguse-Staufer 2002–2020. Ehemals Sammlung Untiedt, Potsdam (aufgebaut 1970–1990).
Beschreibung
Aus dem bronzezeitlichen Zypern sind zahlreiche Tonstatuetten überliefert. Besonders eindrücklich sind Figuren, die aufgrund ihrer flachen, sehr stark stilisierten Formen als «Brettidole» bezeichnet werden. Die abstrakt gehaltenen, menschlichen Statuetten wirken auf den heutigen Betrachter geradezu modern. Solche tönernen Brettidole sind – wie gleichzeitig aufkommende Gefässe – von Hand geformt und mit einem Tonschlicker überzogen, der beim Brennvorgang die charakteristische rote Farbe annimmt. Diese daher als Red Polished Ware bezeichnete Keramikgattung wird im mittleren 3. Jahrtausend v. Chr. auf Zypern eingeführt und erfährt bis ins mittlere 2. Jahrtausend v. Chr. eine rege Verbreitung. So wie auch bei unserem Beispiel werden oftmals die Binnenverzierungen eingeritzt und mit weisser Farbfüllung versehen, um ein kontrastreicheres Bild zu erzeugen. Unser Beispiel zeigt die für die Brettidole charakteristischen flachen kubischen Formen. Je ein Rechteck bildet den Kopf und den Körper. Plastisch ausgeformt sind nur die Nase, die Augen und die durchbohrten Ohren. Weitere Körperteile wie Arme und Beine fehlen. Ein besonderes Augenmerk wird auf die reichen, eingeritzten Dekorelemente gelegt. Sie suggerieren eine elaborierte Bekleidung, aufwendigen Kopf- und Halsschmuck und vielleicht sogar Tätowierungen. Bei vielen Brettidolen ist es schwierig auszumachen, ob weibliche oder männliche Figuren dargestellt sind, da spezifische Geschlechtsmerkmale oft fehlen. Über die Bedeutung und die Funktion solcher Statuetten herrscht in der Forschung keine Einigkeit. Anfänglich wurden die erstmals 1913 bekannt gewordenen Exemplare alle als weiblich gedeutet. Dies wird heute zu Recht angezweifelt, da die weiblichen bronzezeitlichen Fruchtbarkeitsidole generell nackt wiedergegeben werden, unsere Brettidole hingegen bekleidet sind. Aufgrund ihrer flachen, brettartigen Gestalt interpretierte man die Brettidole als kleinformatige Reproduktionen von aus Holz geschnitzten Kultfiguren (griech. xoana). Die grosse Mehrheit der aus gesicherten Fundkontexten zutage getretenen Brettidole stammt indessen aus Gräbern. Besonders häufig sind sie in der an der nördlichen Küste gelegenen Siedlung Lapithos bezeugt. Soweit eine statistische Auswertung dieser Funde möglich ist, scheinen sie sowohl in männlichen als auch in weiblichen Bestattungen präsent zu sein. Welchen genauen Zweck sie als Grabbeigaben erfüllen – z.B. Darstellung von Gottheiten, Zeugnis eines Ahnenkults oder Repräsentation einer bestimmten sozialen Schicht –, entzieht sich unserer Kenntnis.
Bibliographie
Cultura. The World Art & Antiques Fair 2001 (2001) 56; Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig, Katalog 101 Meisterwerke (2022) 82f. Nr. 26;
Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig
St. Alban-Graben 5
CH-4010 Basel
info@antikenmuseumbasel.ch
Tel. +41 61 201 12 12