Kalkstein, H. 27,3 cm, B. 17, T. 6,7 cm
Mittleres Reich, 12. Dynastie, 1939–1760 Jh. v. Chr.
Inv. BSAe 0925
Provenance
Schenkung 1996 Gertrud Mayer-Oliver, Allschwil. Erworben in den 1950er-Jahren zusammen mit Prof. Dr. Ursula Schweitzer.
Description
Die Stele des Tjenianch ist in drei Register unterteilt: Das oberste Register wird von einem oben abgerundeten Giebelfeld gebildet, das mittlere besteht aus einem zusammenhängenden hieroglyphischen Text und das unterste enthält figürliche Darstellungen mit Beischriften. Diese Aufteilung ist seit dem Beginn des Mittleren Reiches bezeugt. Teile des Giebelfeldes sind abgesplittert. Es war aber einst mit einem Udjat-Augen-Paar und einem sog. Schen-Ring in der Mitte dekoriert, darauf weisen die erhaltenen Spuren. Horusaugen und Schenring sollen Regeneration und Schutz spenden.
Das mittlere Register enthält eine in drei horizontale Zeilen gegliederte Inschrift mit Opferformel, während das untere Bildfeld den Stelenstifter und seine Mutter wiedergibt. Die Opferformel, bei der König und der memphitische Totengott Ptah-Sokar-Osiris um Opfergaben für den Ka (Lebenskraft) des Verstorbenen gebeten werden, wird durch die Titel und Namen des Verstorbenen sowie seiner Mutter ergänzt. Schliesslich wird auch der Stelenstifter genannt, der in diesem Falle der Bruder des Verstorbenen ist. Er lässt durch die Errichtung dieser Stele den Namen seines Bruders leben, indem er der Nachwelt in Erinnerung bleibt. Es heisst: "Ein Opfer, das der König und Ptah-Sokar-Osiris stiften: Sie mögen ein Totenopfer geben, (bestehend aus) Brot und Bier, Rindern und Geflügel, Alabaster und Stoff, Weihrauch und Öl und allen vollkommenen und reinen Dingen, wovon ein Gott lebt, für den Ka "Eines der 10 Grossen von Oberägypten" Tjenianch selig, geboren von der "Bürgerin" der Nekropolenarbeiter Tjt selig; (gestiftet) seitens seines Bruders, des Vorstehers Irienefres, der seinen Namen leben lässt". Im untersten Register stehen sich der Steleninhaber und seine Mutter gegenüber. Die Frau trägt eine dreiteilige Perücke und ein Trägerkleid, während der Mann mit kurzem Haar und in kurzem Schurz wiedergegeben ist. Zwischen ihnen befindet sich ein Opfertisch mit aufgestellten Brothälften.
Bibliography
A. Wiese, Ägypten. Augenblicke der Ewigkeit (Mainz 1997) 100f., Nr. 62.
Vgl. H. Frankfort, The Cementeries of Abydos: Work of the Season 1925-6; JEA 14, 1928, no.19, pl. XXI,3
Vgl. H. M. Stewart, Egyptian Stelae, Reliefs and Paintings from the Petrie Collection, 3 Bde. (Warminster 1976–1983); Stewart, II, 27, no.113, pl. 28,3.
Vgl. H. W. Müller, Die Totendenksteine des MR, ihre Genesis, ihre Darstellungen und ihre Komposition, MDAIK 4, 1933, 165-206
Vgl. W. K. Simpson, The Terrace of the Great God at Abydos: The Offering Chapels of Dynasties 12 and 13, PPYE 5 (New Haven/Philadelphia 1974)