Holz, stuckiert und bemalt, H. 25,2 cm, B. 17,8 cm, T. 3cm
3. Zwischenzeit, 21. Dynastie, 1076–944 v. Chr.
Inv. BSAe 1138
Provenance
Ankauf durch den M-L.R. Fonds 2009. Erworben bei Laura Bosc de Ganay, Paris. 2000 mit Hotel Drouot, Paris. Ehemals Sammlung Christian Spilliaert, Paris. Davor Sammlung Dr. Émile Laffont (1872–1960), Paris. Erworben in den 1930er-Jahren.
Description
Polychrom bemalte, oben abgerundete Grabstele aus Holz mit der Darstellung eines Priesters, der den Sonnengott Re-Harachte verehrt. Der Priester Kaj steht rechts mit in Verehrung erhobenen Händen. Er trägt ein reich plissiertes Gewand und eine Stufenperücke. Lange Bänder fallen vom Stirnband in den Rücken des Priesters. Auf der Perücke befinden sich ein Salbkegel und ein Lotosblatt. Links vor ihm thront der mumiengestaltige Sonnengott Re-Harachte mit Falkenkopf und Sonnenscheibe auf dem Haupt, um die sich eine Uräusschlange windet. Re hält Krummstab und Geissel über dem Schoss in seinen Händen.
Zwischen Kaj und Re steht ein kleiner Opferständer, auf dem sich ein Wassergefäss und ein Lotosblumengebinde befinden. Darüber ist in vier Kolumnen ein Hieroglyphentext geschrieben: "Ein Opfer, das der König und Re-Harachte, Vorsteher der Götterspenden. Er möge spenden ein Totenopfer dauerhaft (...) für den Osiris, den Priester (...) Kaj selig (...)."
Über der ganzen Szene befinden sich eine gebogene Himmelshieroglyphe und eine geflügelte Sonnenscheibe.
Bei der dargestellten Gottheit handelt es sich eigentlich um eine synkretistische Erscheinung "Re-Osiris", wobei Osiris nur ikonographisch im Bild angedeutet wird. Eine besondere Verbindung ging der Sonnengott Re mit Osiris, dem Herrscher der Unterwelt ein. Während seiner Nachfahrt durch die Unterwelt, vereinigte sich die Ba-Seele des Sonnengottes mit dem Körper des Osiris. Die Verehrung von Re-Osiris passt vorzüglich zur Dekoration der Grabstele. Auch der Verstorbene hofft auf seine Wiedergeburt im Jenseits durch die Kraft des Sonnenlaufes bzw. die regenerierende Verbindung mit Osiris.
Bibliography
Hotel Drouot, Paris, Salle 11, 16 Juin 2000, lot 78.