Fayence, H. 2,9 cm, B. 3,3 cm, T. 0,65 cm
Spätzeit, 26. Dynastie, um 664–525 v. Chr.
Inv. BSAe SSOM 0016
Provenance
2017 Schenkung der Stiftung für ein Schweizerisches Orientmuseum (1978–2017), Basel. Als Leihgabe seit 2002 im Museum. 1980 Schenkung an Stiftung durch Henri Wild. Davor Sammlung Henri Wild (1902–1983), St. Imier. In Ägypten erworben zwischen 1926 und 1972.
Description
Das nach rechts gerichtete Udjat-Auge weist eine schön geschwungene Brauenlinie in dunkler Glasur auf. Der obere, in einen Schminkstrich übergehende Lidrand und der untere Lidrand sind in gleicher Weise angegeben. Die Pupille ist in schwarzer Farbe ausgeführt. Der vertikale Fortsatz setzt nicht direkt am unteren Lidrand an. Der tief nach unten gezogene Spiralbogen ist nur wenig eingerollt.
Das Udiat-Auge hat die Form eines offenen menschlichen Auges, dem noch zwei fremde Elemente zugefügt sind, nämlich ein vertikaler, meist geriffelter Fortsatz, der vom unteren Lidrand ausgeht und ein daneben abgehender Bogen, der sich am Ende einrollt. Während die Herkunft des Spiralbogens bisher keine überzeugende Deutung gefunden hat, soll der vertikale Fortsatz eine Eigenheit des Falkenauges darstellen. Die Bezeichnung des Udjat-Auges hängt auch tatsächlich mit einem solchen zusammen. Es handelt sich um das Auge des Falkengottes Horus.
In der ägyptischen Mythologie wird von einem Kampf zwischen den Göttern Horus und Seth berichtet, in dem Horus ein Auge verliert. Seth verletzt und raubt dieses Auge und verschlingt es. Isis, die Horus' Mutter war, heilte nach dem Kampf das verwundete Auge wieder. In einer anderen Version dieses Mythos wurde das Auge entführt und mithilfe des Gottes Thot wieder aufgefunden. In beiden Fällen wird das verletzte Auge wieder geheilt und damit die absolute Weltordnung wiederhergestellt. Denn das rechte Auge des Horus war mit der Sonne bzw. mit dem Sonnengott Re-Harachte und das linke Auge mit dem Mond bzw. dem Gott Osiris assoziiert.
Deswegen heisst es das «Heile», auf ägyptisch «Udjat». Es ist somit zu einem göttlichen Auge geworden, das eines der beliebtesten Erneuerungs- und Schutzzeichen der alten Ägypter darstellt.
Bibliography
Vrgl. Allgemein: C. Müller-Winkler in: LÄ VI, 824- 826. Speziell: Dies., Die ägyptischen Objekt-Amulette, Fribourg
– Göttingen 1987 (OBO SA 5) 86–177, bes. 94 (Terminologie), 131ff., 143ff., 153ff.; O. Keel – C. Uehlinger, Altorientalische Miniaturkunst (Mainz 1990) 94–96; C. Andrews, Amulets of Ancient Egypt (London 1994).