Granodiorit, H. 25 cm, B. 17, T. 22,5 cm
Neues Reich, 19. Dynastie, 1292–1191 v. Chr., frühe Ramessidenzeit
Inv. BSAe 1264
Provenance
Schenkung 2017 Dr. Elisabeth Staehelin (1935–2024), Basel. Ehemals Sammlung Dr. med. Hans Filser (ca. 1900–1970), Basel. Erworben in den 1920/30er Jahren. Erstmals publiziert 1958.
Description
Fragment eines sog. Sistrophors, einer Kniefigur, die als Götterymbol ein Hathor-Emblem vor sich hält. Der Kniende ist auf einem Sockel dargestellt und besitzt einen Rückenpfeiler. Kopf, Schultern und Oberarme bis zu den Ellbogen sind verloren. Zudem fehlt der obere Abschluss Hathor-Symbols. Ebenso ist die Basis ist arg bestossen. Diese Teile waren in demselben Stein ergänzt, wie man dies in den 1920/30 er Jahre getan hat. Die Statuette erschien komplett.
Der einstige Besitzer der Statue trägt ein enganliegendes Gewand, das nicht weiter ausgearbeitet ist, seine Füsse sind nackt. Die ausgestreckten Hände seiner beiden angewinkelten Arme berühren die Seiten des Hathorkopfes. Hathor trägt eine Strähnenperücke, die durch glatte Haarbänder am Scheitel, in Höhe der Ohren sowie am Saum gegliedert wird. Ihr Gesicht ist gekennzeichnet durch grosse, mandelförmige Augen mit Schminktischen unter kräftigen geschwungenen Augenbrauen. Die Nase und der Mund sind bestossen. Auf der Perücke erkennt man den Ansatz der einstigen Kopfbedeckung, die als Kalathos konzipiert gewesen sein könnte. Der Kopf der Göttin steht auf einem Halbrundstab.
Inschriften sind ausschliesslich auf dem Sockel erhalten, wobei der Rundstab und der Rückenpfeiler offensichtlich unbeschriftet blieben. An der vorderen Aussenseite des Sockels sind ausgehend von einem zentralen Anch-Zeichen jeweils eine einzeilige Htp-Dj-nj-sw.t-Formel nach beiden Seiten angebracht. Auf der rechten Sockelaussenseite sind die Textreste „vollkommen, derjenige, der (sich) mit der Ehre verbindet", erhalten, wobei die Inschrift auf der linken Aussenseite verloren ist. Auf der rechten und linken Sockeloberseite sind zwei kurze Inschriften in Kolumnen angefügt, die einen identischen Text beinhalteten. Links ist der Rest „für den Ka des Vorstehers des Stalles Mehu“ erhalten. Auf der stark zerstörten linken Seite sind ausschliesslich eine Hieroglyphe erhalten, bei der es sich um einen knienden Mann mit Flagellum handeln könnte, sowie der Namenszusatz „gerechtfertigt“ . An Ende der heute komplett verlorenen, linken Textpassage könnte zudem eine Filiationsangabe angegeben gewesen sein.
Bibliography
J. Vandier, Manuel d'Archéplogie Egyptiene, Bd. 3 (Paris 1958) 665, 465 m. Anm. 1.
E. Hornung, E. Staehelin, Henri Wild und die Ägyptischen Denkmäler der Schweiz, in: BSEG 9-10, Fs Henri Wild, 1984-1985, 122-123 (mit Foto).
J. Malek, Topographical Bibliography of Anschient Egyptian Hieroglyphic Texts, Statues, Reliefs and Paintings, Bd. VIII, Objects Provenance not known, Part 2, Private Statues (Dynasty XVIII to the Roman Period, Statues of Deities (Oxford 1999) 585, Dok. 801-635-300.
K. Konrad, Der Sistrophor, Zur Genese, Bedeutung und Funktion eines theophoren Statuentypus der altägyptischen Privatplastik (Berlin 2025).